30.04.2016 Walpurgisfeuer

Wollmerschieder holen Halefeuer als Walpurgisfeuer nach

Aus dem Kasper ist eine Walburga geworden. So heißt die Puppe, die eine Hexe verkörpern soll und in der Mitte des Holzstoßes am Wollmerschieder Sportplatz hängt. Dorthin hat die örtliche Feuerwehr eingeladen, um am Vorabend des Maifeiertags das kurzfristig abgesagte Halefeuer vom Fastnachtsdienstag nachzuholen. Walpurgisfeuer lautet der neue Name.

Und so wurde aus dem Kasper, der traditionell beim Hal verbrannt wird, die Hexe Walburga, der die Feuerwehrleute einen Reiserbesen gestiftet haben. Über die Gesichtsfarbe habe man lange diskutiert, berichtet Reinhard Schuld von der Wollmerschieder Einheit. Grün war gewünscht, doch es fand sich nicht die passende Farbe. Also erhielt die Walburga ein feuerwehrrotes Antlitz.

Schnell lodernde Flammen

Lange leuchtet es allerdings nicht bei einbrechender Dämmerung. Außergewöhnlich schnell lodern die Flammen empor. „Ich habe noch nie gesehen, dass die Spitze brennt“, wundert sich Schuld. Die besteht aus einem festgenagelten Tannenbäumchen und fällt normalerweise herunter, wenn das Feuer den Mast darunter angefressen hat. Doch diesmal ist das Holz besonders gut abgelagert. Auf einem gezimmerten Gestell warten seit Fastnacht hauptsächlich ausgediente Weihnachtsbäume aus Wollmerschieder und Ranseler Wohnstuben darauf, dass sie jemand anzündet. Am gewohnten Termin konnte das nicht geschehen, weil eine Sturmwarnung einging. Zweieinhalb Stunden vor dem geplanten Beginn erfolgte die Absage. Obendrein mussten die Wehrleute zu einem Einsatz ausrücken.
 
Sogar vom kleinen Spenglerfeuer wurden Funken quer über die Straße getrieben, erinnert sich Reinhard Schuld an den Fastnachtsdienstag. „Wilde Diskussionen“ schlossen sich an, ob stattdessen ein Oster- oder ein Walpurgisfeuer brennen solle. Die Mehrheit der Einsatzabteilung entschied sich für die zweite Variante. Altbekanntes Brauchtum wurde dafür ein wenig modifiziert.

Nicht nur die Strohpuppe hat Namen und Geschlecht gewechselt. Es wird auch keiner mit Ruß schwarz gemacht im Gesicht wie sonst und in einem Kessel dampft Chili statt Erbsensuppe. Vor allem aber singen die Besucher diesmal nicht den Choral „Großer Gott, wir loben dich“. Dafür ertönt „Hey, wir woll’n die Eisbärn sehen“ vom Band, als Helfer den Holzstoß in Brand setzen.

Die Musik kann als Anspielung auf das Wetter verstanden werden: Seit Fastnacht hat sich an den Temperaturen nicht viel geändert. Mancher habe schon spekuliert, dass die Veranstaltung erneut verschoben und zum Sonnenwendfeuer umdeklariert werde. Aber Besserung ist in Sicht, weil das Feuer freudig brennt: „Es heißt, wenn die Flammen gerade hochgehen, wird es ein gutes Jahr“, erklärt Schuld.

HEXENNACHT

Die Nacht auf den 1. Mai wird in Wollmerschied eigentlich mit einer anderen Tradition verbunden. Seit Generationen sei es üblich, dass junge Leute in der Dunkelheit Schabernack mit ihren Nachbarn treiben. So werden gerne Fußmatten und Mülltonnen verschleppt oder Gartentürchen ausgehängt, erzählt Reinhard Schuld.